Plakatgestaltung
Patricia Keller

2022

Augen auf

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2022

Detailprogramm

Eifach Mänsch sii…

Genau eine Stunde vor dem ersten Lockdown im Jahr 2020 sind meine Frau und ich in Zürich Flughafengelandet. Noch während unserer Zeit in den USA kam die Anfrage der Heilsarmee, ob ich die Leitung des Open Heart an der Luisenstrasse im Kreis 5 übernehmen undein neues Angebot aufbauen würde. Unsere Erfahrungen in San Francisco, Chicago und anderen Städten würden uns dabei helfen. Da waren wir nun. Der Plan – Gassenarbeit. Da zu sein für suchtbetroffene und obdachlose Menschen. Jedoch mit sozialpädagogischer Leitung. Mein erster Gedanke zum Open Heart: einen Ort schaffen, wo man sein kann wie man ist. So entstand das Motto «eifach Mänsch sii…».

 

Orientierung

Wir gingen also raus an die Langstrasse. Machten uns ein Bild des Quartiers und der Stadt Zürich. Dabei konnte ich mich erinnern, wie es damals aussah, als der Platzspitz und der Letten noch die Brennpunkte waren. Anders als in San Francisco oder Nashville sahen wir hier wenige obdachlose oder suchtbetroffene Menschen. Dennoch schlossen wir viele Freundschaften und lernten die verschiedensten Schicksale kennen. Viele Betroffene sind in medizinischen Programmen, verbringen ihren Alltag jedoch damit, sich immer wieder neuen Stoff zu besorgen. Ihnen fehlt die geeignete Struktur. Von einigen Betroffenen hören wir, dass sie sich gerne beschäftigen würden, jedoch die passenden Angebote fehlen. Das Schlagwort ist Flexibilität.

 

Augen auf

Die 90er sind Vergangenheit – der Kreis 5 hat sich enorm verändert. Ich war überrascht, wie gemütlich es hier geworden ist. Doch wer aufmerksam ist, kann sie kaum übersehen: Die Süchtigen, z.B. vor dem Denner. Die meisten wohnen in den verschiedenen Wohnheimen im Quartier. Was wir immer wieder feststellen ist, dass die Meisten ihrer Sucht entkommen möchten. Jedoch sind sie direkt an der Quelle untergebracht. Das Motto des diesjährigen Röntgenplatzfestes ist auch unser Leitsatz, wenn wir draussen unterwegs sind. Dabei ist auch wichtig, dass wir aufmerksam zuhören. Wir texten die Leute nicht zu, sondern sie erzählen uns, wo das Leben drückt. Wir überlegen dann, wie die bestmögliche Hilfe unsererseits aussehen kann. Oft erleben wir, dass Menschen einen Entzug und eine Therapie machen. Ein Rückfall ist häufig vorprogrammiert. Ein steter Kreislauf. Unser Anliegen ist es, die Betroffenen möglichst aus diesem Kreislauf zu holen.

 

Das perfekte Angebot…

…das gibt’s wohl kaum. Uns ist ebenso bewusst, dass eine komplette Eingliederung in ein «normales» Leben oftmals kaum mehr möglich ist. Hoffnung auf positive Veränderung gibt es ebenso selten. Die meisten haben schon lange resigniert und fristen deshalb ihren Tag irgendwo auf einer Parkbank im Kreis 5 oder pilgern von einem Sozialangebot zum anderen. Wir sind aber bestrebt, uns den Gegebenheiten anzupassen. Betroffene Menschen brauchen einen Rahmen, welcher auf sie zugeschnitten und nicht an starre Prinzipien geknüpft ist. Was fehlt ist die Möglichkeit einer Tagesstruktur. Das Open Heart sieht sich im Kreis 5 als Bindeglied: Wir möchten einen Ort bieten, wo sich Betroffene etwas Sinnvollem hingeben können. Am Ende des Tages kann Zufriedenheit gewonnen werden, wenn sich ein Mensch an etwas selbst Erschaffenen erfreut. Es ist jedes Mal grossartig zu beobachten, wie das Selbstwertgefühl der einzelnen Personen wächst, wenn sie vor ihrem selbstgemachten Produkt stehen und leuchtende Augen haben. Es braucht viel Geduld diese Menschen dazu zu begeistern. Doch wir möchten hinsehen und uns einsetzen für einen lebendigen und hoffnungsvollen Kreis 5. Wenn ihr sie seht, seid freundlich zu ihnen und macht ihnen vielleicht sogar Mut, bei uns vorbei zu kommen. Oberstes Gebot: eifach Mänsch sii…. und wer möchte, darf uns auch einfach mal besuchen. Spontan – aber besser noch auf Anmeldung.

Pjtsch Kupferschmid ist Leiter des Open Heart im Kreis 5, ein Treffpunkt und Beratungsstelle für Obdachlose und Menschen mit Suchtkrankheit/Suchthintergrund.

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2022
Eröffnungsrede

Courage. Sich vor sich selbst zu offenbaren, ein intimes Geständnis zu wagen, die Zerbrechlichkeit, die Zweifel und seine Fehler anzunehmen. Meimuna veröffentlicht eine neue EP, die von diesen Gefühlen geprägt ist. Der Mut, zu gehen, aufzugeben, loszulassen, sich für frischen Wind zu öffnen. Cyrielle Formaz, Autorin, Komponistin und Interpretin, vereint fünf Stücke auf «Courage», welche unterschiedlicher kaum sein könnten und vereint dennoch ihre charakteristische Stimme und Lyrics mit einem dramatisch-düsterer Unterton. Dabei setzt sie auf wundervolle Art und Weise auf die Kraft der Stille und verzichtet auf den ganz grossen Ausbruch. Stattdessen ziehen sich Musik und Text in den entscheidenden Moment eher zurück und überlassen vieles der Fantasie der Hörerschaft. Dass diese Rezeptur aufgeht ist nicht zuletzt den tollen, bildlichen Texten und der grossartigen Produktion geschuldet, die «Courage» zu einem ergreifend, intimen und doch gewaltig vielschichtigen Minialbum machen.

MEIMUNA

Ambaroots ist eine hungrige, dynamische Reggae-Band aus Zürich. Die fünf Freunde beackern seit 2016 die Musiklandschaft der Schweiz. Zwar tief verwurzelt im Reggae, bleibt die Szenenpolizei aussen vor. Offene Grenzen sind bei Ambaroots gelebte Attitüde. Jedes Mitglied bringt seine ganz eigene «Geschichte» in die illustre Bandbreite an Stilformen.

Die erste «hausgemachte» EP erschien im Dezember 2017. Live-, Studio und akustische Aufnahmen teilen sich auf der EP die Bühne. Ob Roots-Reggae, Ska, Dub, Hip-Hop oder Latin, alles findet hier sein wohlverdientes Zuhause. Experimentieren mit fremden Musikstilen steht an der Tagesordnung. «Reggae mit offenen Grenzen», das ist die Devise.

Sonnig und tanzbar, sorgen die einen Songs für unvergesslich tropische Nächte. Doch die ernsten Themen dürfen keinesfalls zu kurz kommen. Ökologische Herausforderungen und Beobachtungen zur entwurzelten, modernen Gesellschaft bilden seit jeher einen Grundpfeiler im Output der Band.

Die Energie und Leidenschaft an Live-Gigs sind der jahrelangen Freundschaft der Bandmitgliedergeschuldet. Eingängige Melodien und laute Eskapaden feiern hier ein harmonisches Miteinander. Neben energischen Sets mit brachialen E-Gitarren und treibendem Groove, zeigen Ambaroots an akustischen Gigs ihre einfühlsame Seite. Dreistimmiger Gesang und fliegende Instrumentenwechsel zeigen nochmals ein ganz anderes Timbre der Band.

Karibische Beats und der abwechslungsreiche Mix sollen an jedem Anlass, ob Gartenfest oder Open-Air, die Hüften zum Schwingen bringen. Das erklärte Ziel von Ambaroots ist es Menschen nicht nur mit Musik zu begeistern, sondern zu vereinen. Ganz nach dem Motto: «Spread love & positive vibes!»

AMBAROOTS
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Noch Ende der 70er bestand die Kreuzung an der Röntgenstrasse: Eine heikle Durchfahrt, welche die Sicherheit und Lebensqualität der Quartierbevölkerung beeinträchtigte. Im Jahr 1980 entstand die Röntgenplatzbesetzung und mit viel politischem Druck und Arbeit wurde daraus ein autofreier Röntgenplatz. Das veranlasst uns jedes Jahr zum Feiern.

Die Bedenken bleiben bestehen, ob bis heute tatsächlich viel erreicht worden ist. Einiges hat sich verändert; so etwa unser Verhalten gegenüber der Mobilität sowie die Entwicklung des Kreis 5. Auch nach 40 Jahren müssen wir die Augen aufmachen und uns immer wieder die Frage stellen, wie wir nachhaltig wachsen sollen, müssen oder können.   

Beim diesjährigen Festpodium werden wir uns insbesondere mit der Frage befassen, wo wir den Punkt ansetzen möchten. Was definiert die Lebensqualität in unserem Quartier? Sind weitergehende Veränderungen und Anstrengungen aus der Basis notwendig? Ähnlich wie vor 40 Jahren bei der Röntgenplatzbesetzung, die sich für ein lebenswerteres Quartier einsetzten?

Moderation:

Überraschungsgast

Mitdiskutierende:

Paul Schmucki (Mitinitiant verkehrsfreier Röntgenplatz)

Céline Widmer (Nationalrätin, SP)

Markus Knauss (Gemeinderat Zürich, Grüne / Co-Geschäftsführer VCS Zürich)

Anja Gada (Klimaaktivistin)

Stefan Bruderer (Veloaktivist)

Podiumsgespräch

Mü man ist ein Zürcher Rapper, welcher die Freestylerap Szene der Schweiz ordentlich aufgemischt hat. In den letzten Jahren nahm er so ziemlich jede Titel, den es zu holen gibt, mit nach Hause und darf sich seit dem Ultimate MC Battle Sieg offiziell Schweizer Meister im Freestyle-Rap nennen. Nebenbei macht er Musik, die man von einem Battlerapper wohl so nicht unbedingt erwarten würde. Das aktuelle Album Nachtblind landete auf Platz 3 der Schweizer Albumcharts und zeichnet sich durch verträumte Beats und gesellschaftskritische Texte aus. Einzig die vielen Wortspiele und gepitchten Vocalsamples lassen erahnen aus welcher Hiphop-Ecke Mü kommt. Live ergibt dies eine energiegeladene Show, mit DJ, Keys, Drums, Bass, Gitarre und mit sehr viel Platz für Improvisation.

MÜ MAN (mit Band)

Die Musik ist eingängig, eigen, versiert und subversiv und der Inhalt fernab von einem schwarz-weissen Weltbild. Das ökonomische Konzept miserabel, aber sie sind zurück - und präsenter als je zuvor.
Die riesige Band aus der kleinen, peripheren Musikgrossstadt Baden hat 2020 mit «Sweet Roller» ein überaus gefeiertes Album veröffentlicht. Nur hat das Album seither viel zu selten an jenem Ort eingeschlagen, wo es hingehört: Auf der Bühne.
Für sie bleibt Al Pride am Leben, schreibt neue Songs, verbringt unzählige Stunden in Studios und kreiert dabei jene melancholisch-sonnigen Vibes, nach denen sich der Sommer so sehr sehnt. Nun kehrt die Band zurück auf die Festivalbühnen, bereit alles zu entladen, was die letzten Jahre mit ihr angerichtet haben. Inklusive neuer Musik. Auf dem nächsten Level.

AL PRIDE

Wenn die DJ’s Frustfoul und Mick Memphis zusammen Musik machen dann sind sie alles - ausser berechenbar. So werden sich am Samstagabend die Helden der Musikgeschichte auf dem Röntgenplatz die Klinke in die Handgeben. Ohne Rücksicht auf Genre oder Dekade. Oder wo sonst folgen auf Otis Redding Mani Matter und dann die Ärzte? Das Motto lautet: Good mood only und von Soul zu Funk und Hip Hop zu Punk. Und das immer mit Stil.

Mick Memphis legt seit Jahren in diversen Zürcher Clubs auf- wie der Name vermuten lässt kommt der Rhythmus gerne auch mal aus den Südstaaten der 60er oder sonst aus aller Welt. Frustfoul ist seit 1998 als DJ unterwegs, unter anderem als Resident im Abart, Roxy, Gonzo und Le Bal /Kongresshaus.  Als Frontmann der Zürcher HC Band Vale Tudo weiss er, wie er die Crowd mitreisst. Zusammen werden die beiden für viel Lärm und einen verschwitzten Ausklang des Festes sorgen. Garantiert!

DJ MICK MEMPHIS & FRUSTFOUL